Ich vermisse ein Paket. Nachdem es zweieinhalb Wochen auf sich warten ließ, hakte ich per Mail beim Unternehmen nach. Um 8.10 heute morgen sprach mir die Sachbearbeiterin auf die Mailbox. Nun weiß ich wie es klingt, wenn jemand in der wörtlichen Rede mehrere Ausrufezeichen hintereinander benutzt. Und richtig, kurz darauf kam eine Mail bei mir an, nochmal das selbe: Ich hätte eine Benachrichtigungskarte erhalten, mit der hätte ich zu einem Paketshop gehen müssen. Aber jetzt sei das Paket wieder zurück gekommen. Weil ich nicht auf die Benachrichtigungskarte geachtet hätte. Und noch einmal in Fettdruck: "achten die bitte in Ihrem Briefkasten auf die Benachrichtigungskarte von GLS !! "
Ich antwortete etwas über unsichtbare Benachrichtigungskarten und darüber, dass ich damit das Paket nichtmal abholen könnte, wenn ich wüsste, wann es sich in welchem Paketshop befinde. Nun warte ich auf die Antwort.
Es gibt einige wenige Dinge, die tue ich exzessiv oder garnicht, z.B. Webseiten basteln. Ungefähr einmal im Jahr überfällt es mich und ich hänge nächtelang vor dem Rechner, baue Steine zusammen, die ich nicht verstehe, ergoogle mir Wissen, vergesse alles wieder.
Meine erste Homepage war mit Frontpage gemacht und führte zu einem Familiendrama, mein erstes Forum war ein phpBB und wurde von fast niemandem besucht. Es folgten ein Onlineshop, in dem so viel bestellt wurde, dass wir bald ausverkauft waren, eine Seite zum Informationsaustausch für Sozialwissenschaftler und schließlich für mein Auslandssemester in England das Hullblog.
Hullblog war die erste Seite, über die ich mich intensiver mit Content-Management-Systemen beschäftigt habe und die erste Seite, bei der ich das Template über Änderungen im Code so anpassen konnte, dass es mir gefiel.
Und nun wird das Hullblog zu Grabe getragen. So sah es aus:

Ein Begräbnis gibt es nicht, mit einem Klick löst sich die Leiche in Luft auf. *Puff*
Ruhe in Frieden.
Morgen geht es wieder nach Hause, zu Internet und deutscher Mentalität. Ich habe nicht halb so viel geschrieben wie ich schreiben wollte, zu wenig für die Uni gelernt und zu wenig von dem gemacht, was ich mir allgemein für meinen Aufenthalt vorgenommen hatte. Trotzdem war es eine schöne Zeit. Ich werde Hull und die Leute hier vermissen.
Im März oder April statte ich einer Freundin hier einen Besuch ab und nach meinem Anerkennungsjahr ziehe ich vielleicht wieder für einige Zeit über den Teich.
Uniführung über den Campus. „Zu ihrer Linken liegt der Westcampus, auf der rechten Seite haben wir...“ Reifen quietschen, es kracht, eine Frau schreit. Der Guide fährt fort ohne zu unterbrechen oder eine Miene zu verziehen „...das Fenner-Building und dort drüben einen potentiell schweren Unfall. Folgen Sie mir bitte zur Bibliothek.“
Man möchte gerne Kakao kaufen. Also fährt man in den Riesen-Supermarkt in der Innenstadt, kauft gleich noch ein paar andere Sachen und hat sich sogar nach einer halben Stunde für eine Marke entschieden – Twinnings, Hot Chocolate. An der Kasse beäugt die Kassiererin die Dose misstrauisch und drückt einen roten Knopf unterm Tisch. Sekunden später kommt eine andere Angestellte, schnappt sich den Kakao und eilt davon. Die Kassiererin nuschelt irgendwas von „legal reasons“ und dreht sich zum nächsten Kunden um.
Ich habe meinen Kakao nie wieder gesehen.